Endlich hat Holger Feierabend. Sein Kollege Uwe ist ihm heute wieder ganzschön auf den Sack gegangen. „Alles muss bei Uwe immer so überkorrekt sein.“, denkt sich Holger. „Dabei arbeiten wir doch nur als Fahrkartenkontrolleure in der Bielefelder U-Bahn. Kein Mensch macht diesen Job, weil er als Kind auf die Frage, was er mal werden wolle, „Fahrkartenkontrolleur!“ geantwortet hat. Auch mit Anfang 20 sagt sowas niemand. Die Menschen landen in dem Job, weil Sie Geld verdienen müssen und der alte Job ihnen mindestens genauso auf den Sack geht, wie Langzeitsodbrennen. Bei Uwe ist das allerdings anders. Er fühlt sich wahrscheinlich sogar zu seinem Job berufen. Heute hat jemand einen Apfel gegessen und Uwe ist extra deswegen in den Wagon eingestiegen, um ihn zurechtzuweisen. Er hat mit dem Jungen gesprochen, als hätte er grade Feuer gemacht und einen Rollstuhlfahrer angepinkelt. Nur deswegen sind wir in eine völlig falsche Richtung gefahren. Wegen einem Jungen, einem Apfel und Uwe. Der Kerl ist echt durch.

Holger darf die nächsten 4 Schichten mit Meerrettich-Uwe verbringen. Den Namen hat Uwe, weil er immer eine Tube Meerrettich dabei hat. Er isst das Zeug echt zu allem. Wirklich zu allem. Zu Meerrettich hat Holger echt keine Meinung. Das Zeug schmeckt ihm zu manchen Sachen ganz gut, aber selbst für einen Platz auf der Einkaufsliste hat diese Tatsache noch nie gereicht. „Wie kann man nur Meerrettich mit zur Arbeit nehmen, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist?

„Wahrscheinlich würde er sich das Zeug sogar in den Latte Macchiato drücken, wenn keiner hinschauen würde.“, denkt sich Holger. Uwe ist es auch sehr wichtig, was andere über ihn denken. Er erzählt den Leuten immer, wie verrückt alle Menschen in den Bielefelder U-Bahnen sind und wie hart und gefährlich sein Job sei. Wenn man ihm so zuhört, denkt man, dass sein Berufsleben eine Szene aus Mad Max ist. Das er den ganzen Tag in der U-Bahn sitzt, mich mit seinem Fischbrötchen-Meerrettich-Mundgeruch langweilt und dabei den ganzen Tag von seinen fiktiven Heldengeschichten erzählt, lassen seine Erzählungen weniger rausblicken. Uwe nimmt zwar vieles sehr genau aber seine Mundhygiene leider nicht. Er redet auch den ganzen Tag und das natürlich nur von sich. Manchmal denke ich, dass Uwe nur so behindert tut und er vor Jahren mit sich selbst eine Wette abgeschlossen hat, dass ihn irgendwann mal einer verprügeln muss. Das quasi alles eine Art soziales Experiment ist und er bis heute noch nicht geboxt und somit von seiner Rolle befreit wurde. Zumindest wünsche ich mir das, also das er nur so tut und das ihn mal einer boxt.

❯❯ MEHR UNTERHALTUNG: